Mit Unbehagen las ich, dass Nina Hagen ein Country- und Gospel-Album aufgenommen hat. Wenn ein Künstlerin mit „schrill" umschrieben wird und als „Rockröhre" bezeichnet wird, dann ist Flucht der erste und richtigste Gedanke. Nina Hagen ist die Ur-Mutter der schrillen Rockröhre. Ihre stets grimassierende Schnute scheint nicht nur physiognomisch ein Eigenleben zu führen. Auch der esoterische Unsinn der ihr über die überlangen Lippen entfährt, kann kaum eines gesunden Menschen Verstand gehören. Doch „praise the lord"; Nina Hagen ließ sich im August letzten Jahres in Schüttorf (!) evangelisch-reformiert taufen. (Wie das mit ihrem Ufo-Glauben zusammengeht, muss sie mir bei Gelegenheit mal erklären.) Und Nina wäre nicht Nina, wenn sie uns ihren neu gewonnenen Glauben nicht gleich mitteilen würde. Ein Country und Gospel-Album also. Nur Fremdkompositionen und Traditionals ... Nun; es funktioniert. Nina Hagen singt zwar, wie sie eben singt, ordnet aber Ihren exaltierten Gesangsstil dem Song unter. „Personal Jesus" ist ein bemerkenswert erdiges, spielfreudiges, klasse produziertes Album, das einen Positivismus ausstrahlt, der weder überkandidelt, noch erzwungen wirkt. Ein durch und durch hörbares Nina Hagen-Album; mehr als man erwarten durfte.
(7/10) Nils Naber
Nina Hagen? Ungläubig vernehme ich Nils´ Vorschlag für eine Rezension (später kommen wir mit ‚Dialog' überein). Rückblick. Unbehagen. Ich höre die Platte als Teenager bei meinem Bruder. Die späteren Spliff, die wohl letzte echte progressive Rockband der Welt als Begleitband, unüberhörbar. Musik, bei der ich weiß, dass sie bei mir und ich bei ihr richtig sein werde. Zurück in die Gegenwart: Country und Gospel von Nina Hagen? Country gehört ja gerade in Schauspieler- und Promikreisen zum guten Ton, möglicherweise deshalb, weil die Aufgeräumtheit und das Moment der Nicht-Überraschung in der Country-Musik das richtige Pendant zum unaufgeräumten Alltag dieser Spezies steht? Egal. Nina Hagen bewegt sich ungeahnt routiniert innerhalb der für sie seltsam erscheinenden Genres. Und erarbeitet sich ein großes Stück Respekt zurück, das eines Tages mit einem Ufo davongeflogen war ... Da das gesamte Lebenswerk von Nina Hagen aus Überraschungen zu bestehen scheint, kann man „Personal Jesus" möglicherweise auch als vollkommen logisch einstufen, muss aber in jedem Fall - siehe Nils - ein dickes Lob für die Qualität der Produktion und der Musik loswerden.
(6/10) Olaf Schnieders
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