Urige Geschichte voller Esoterik rund um den Saller See



Heiligtümer, Schatzfunde, Großsteingräber

Ein in Sandstein gehauenes riesiges Ohr steht am Eingang des Akzent Hotels Saller See. Das große Steinohr horcht hinein in die urige Geschichte einer interessanten Landschaft des Emslandes. Anhänger der esoterischen Lehre „Geomantie" (d. h. vom Erkennen und Erspüren besonderer Plätze in der Landschaft) dürften ihre helle Freude an der Gegend haben. Über Tausende von Jahren lebten Menschen hier mit einer auffälligen Anhäufung von Geheimnissen zwischen Himmel und Erde.

Eines der Urgeheimnisse des Lebens, das ahnten schon die Alten, war das Wasser. In der Umgebung des heutigen Saller Sees am Fuße der Lingener Höhe trat Feuchtigkeit aus der Erde. Das für sie unerklärliche Aufquellen von Wasser war für die Menschen der Urzeit ein unübersehbarer Hinweis, dass sie an diesen Stellen den transzendenten Mächten, den uralten „Naturgöttern" aus dem Jenseits begegnen konnten. Denen wurden an den Quellheiligtümern „Weiheopfer" dargebracht.

Wir erinnern uns in diesem Zusammenhang an den „Schatzfund von Lengerich" im Jahr 1847. Der Heuermann Jürling arbeitete damals gemeinsam mit anderen Anwohnern beim Zerschlagen von in der Gegend herumliegenden großen Felssteinen. Die neue Straße von Lengerich nach Freren wurde mit den Steinbrocken befestigt. In der Nähe des heutigen Saller Sees, auf einer Anhöhe am Suderweh entdeckte Jürling sage und schreibe mehr als eintausend(!) Münzen und Schmuckstücke unter Steinen.

Von den Gold- und Silbermünzen stammte die älteste aus der Epoche des römischen Kaisers Trajan (98 - 117 n. Chr.), die jüngste vom Kaiser Septimus Severus (193 - 211 n. Chr.). Der Schatz müsste demnach um das Jahr 200 n. Chr. niedergelegt worden sein. Die Nachricht von dem Fund machte in Windeseile die Runde. Überall packten Arbeiter mit doppeltem Eifer an, setzten Hebelwerkzeuge in Bewegung, sprengten große Steine weg. Und tatsächlich wurden zwei weitere „Schätze" gehoben! Diese waren deutlich später niedergelegt worden. So verwiesen Goldmünzen unter dem zweiten Stein auf den Kaiser Konstantin (306 - 337 n. Chr.) bzw. dessen Söhne und damit spätestens auf das Jahr 361 nach Christus.

Der Fundort mit den drei großen Findlingen war seit etwa 100 n. Chr. eine Gerichtsstätte. „Darauf führte die Ortsbezeichnung Sall und der alte Name Sallerweg, der auch der uralte Leichenweg gewesen ist", schreibt Pastor Meier in der Zeitschrift „Die Kunde" (1941). Und weiter heißt es: „Das Wort wird abzuleiten sein von germanisch salaz, sächsisch sali, in der Bedeutung Gerichtsstätte, Gerichtssaal. ... Dass die Gerichtsstätten mit geweihten Orten verbunden waren, ist bekannt." - Der Ursprung für heidnische Weihen der Gegend dürfte weit zurück in die Urgeschichte vor mehr als viertausend Jahren führen...

In Nachbarschaft des Saller Sees finden sich Überreste von Großsteingräbern. Das Megalithgrab (griechisch: mega = groß, lithos = Stein) „In der Kunkenvenne" bei Thuine verblüfft Experten durch seine Ausdehnung. Siebzehn Decksteine haben die Erbauer aneinander gereiht und auf Trägersteine gesetzt. Der damit entstandene Raum unter den zig-tonnenschweren grauen Findlingen misst stolze 25 ½ x 2 Meter. Die jungsteinzeitlichen Emsländer begnügten sich nicht mit einer einfachen Umfassung der Kammer durch andere große Steine. Nein, sie legten gleich zwei auffällige Steinketten um die Anlage! Ob aus Gründen der Abwehr von Geistern der Toten oder zum Schutz eines „Heiligen Bezirks" wissen wir nicht. Vielleicht gab es im Laufe von vielen, vielen Jahrhunderten auch beide Bedeutungen. Über vorgeschichtliche Hintergründe informiert die neue „Straße der Megalithkultur", an der auch das Akzent Hotel Saller See liegt (www.strassedermegalithkultur.de).

Oberhalb der Quellheiligtümer sind Großsteingräber am Rande der Lingener Höhe eine Besonderheit dieser Gegend seit jenen Tagen der Urgeschichte. Die archäologische Forschung nimmt heute an, dass Menschen der Bronzezeit zunächst transzendenten Mächten (wenn man so will: ihren „Göttern") an Flüssen, Mooren, auf Hügeln oder an astronomisch wichtigen Plätzen Opfer darbrachten. Später kamen die Verehrung an Gräbern der Vorfahren und noch später Gerichtsstätten hinzu (wo Menschen mit Unterstützung höherer Mächte „Schicksal" spielten!). Heimatforscher Pastor Meier spricht - wie erwähnt - vom Sallerweg als einem „uralten Leichenweg" zu den Hügelgräbern der Gegend. Eine weitere Erklärung des Namens Saller (gemeint ist nicht der erst später an dieser Stelle begründete Hof!) geht denn auch vom altdeutschen Wort saljan (opfern) aus.

Viele Jahrhunderte später erhält der Begriff vom „Sallern" eine völlig andere Bedeutung: Der Hof Saller hat im 17./18. Jahrhundert das Schüttrecht an Gewässern der Umgebung. Das bedeutet, dass zu festgelegten Zeiten Bäche aufgestaut und Wiesen überflutet werden dürfen. Es liegt auf der Hand, dass dieses Recht den Müllern am Unterlauf der Beeke ein Dorn im Auge war. 1790 kommt es wieder einmal zum Streit mit Raming von Lengerich. Dem fehlt Wasser für das Betreiben seiner erweiterten Wassermühle und er hat deshalb Schüttwerke zerstört. Erst 1793 erfolgt ein gütlicher Vergleich, mit dem Einzelheiten des Aufstauens (des „Sallerns") im beidseitigen Interesse geregelt werden. Ramings Mühle hat heute noch Wasser.

 


 




06.08.2009 17:19:47
Kommentar von: Horst_Heinrich_Letzte-Ritter.jpg
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Kommentar:
Wunderbar! Ich liebe dieses alten Geschichten. Mehr davon... Man bekommt einen wunderbaren Einblick in die alte Zeit und den Menschen von damals. Sehr amüsant und lehrreich geschrieben. Danke!


03.02.2009 15:14:54
Kommentar von: Olaf, Oberemskopp
Bewertung: _Bewertung
Kommentar:
Absätze sind drin; ... spendieren wir doch gern.

03.02.2009 01:10:48
Kommentar von: Horst_Heinrich_Foto-Benedixen.jpg
Bewertung: _Bewertung
Kommentar:
Natürlich empfehle ich als Autor den Beitrag allen Lesern! Also: Toi, toi, toi für das neue Cross-over-Format des EMSKOPP! Allerdings: Die Redaktion sollte m. E. dem Text mehr lesefreundliche Absätze gönnen. M.b.G./H.H.B.

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